A U T O . T E S T • auto-motor-special 12/2020
erstellt am 26.11.2020

Auch hochalpine Einsätze stellen für den Suzuki Vitara-Allradler keine größeren  Herausforderungen dar
Fotos: Franz Weichinger

Test Suzuki Vitara 1,4 Hybrid Allgrip flash

Bergführer

Mann wird älter, vor gar nicht allzu langer Zeit hätte der Autor galant die Beifahrertür geöffnet und die junge Frau zu einer kleinen Ausfahrt plus Cappuccino eingeladen. Nunmehr blieb ihm hinter dem Mund-/Nasenschutz nur mehr ein verschämtes Nicken und ein abschließend übertrieben lautes Ciao.

INNSBRUCK/STUBAIER GLETSCHER (at). Schönes Auto? Ganz neu? Hybrid ...,? Seien wir ehrlich, das Interesse galt wirklich nicht dem Fahrer, die hübsche junge Frau himmelte wohl ausschließlich den goldfarbenen Vitara an und reagierte auf das Ciao dann auch nicht mehr wirklich. Eigentlich schade, aber wie oben angerissen: Mann wird älter.

Dass sich die Abenteuer aber auch in der Jetztzeit nicht nur im Kopf abspielen müssen, zeigten die umfangreichen Testfahrten mit dem japanischen Multitalent auf. Wir suchten das ewig Eis und fanden es. Das mit dem Finden war ja nicht so schwer, wir erreichten es aber auch.  Zumindest Randbereiche desselben - ohne Schneeketten aufziehen zu müssen.

Mit dem knackig zu schaltenden Sechsgang-Getriebe, den diversen Fahrmodi und den überkomplett vorhandenen Assistenzsystemen wie z.B. der Bergabfahr-Hilfe ist der Suzuki Vitara Allgrip flash sicherer Begleiter auch für außerordentlich anspruchsvolle Touren

Im modisch stilsicheren Innenraum präsentieren sich Bedienelemente wie Schalter, Druckknöpfe etc recht verspielt platziert, ein bisschen Zeit zum Drangewöhnen ist nötig. Zudem blinkt gelegentlich eine Kante der Silberspange im Armaturenbrett Richtung Fahrerin/Fahrer - solche mit Gardemaß dürften davon aber eh nicht betroffen sein.

Die Fahrmodi: Auto, Sport, Snow und Lock (50:50-Kraftverteilung) decken wohl jeden Einsatzzweck ab, zudem dürf(t)en wie oben angerissen auf den Rädern des Vitara auch Schneeketten angebracht werden. Keine Haarspaltereien: bergab wären diese unter Umständen schon angebracht (gewesen), mit der Bergabfahrhilfe verlieren aber auch schwierige Abfahrten ihren Schrecken.

Beeindruckend präsentiert sich der nominell "nur" 129 PS starke Mild-Hybrid-Motor. Er sorgt aus dem Drehzahlkeller heraus für spontanen Vorwärtsdrang und geht dabei mit ungeahnter Vehemenz zur Sache. Verständlich: Suzukis Vierzylinder-Benzinmotor - mit Direkteinspritzung und Abgasturbolader - arbeitet mit zwei kettengesteuerten obenliegenden Nockenwellen. Der Vierventiler bekommt beim Anfahren spürbare Unterstützung durch den 10 kW starken Elektromotor, bei 2.000 U/min setzt der Turbolader ein.

So macht dann auch das Räubern im Sportmodus unwahrscheinlich viel Spaß, zumal das Fahrwerk mitspielt. Kein Schieben über die Vorderrräder (auch im Frontantriebsmodus nicht). Der Vitara legt ein neutrales Fahrverhalten an den Asphalt, er fährt leichtfüßig immer exakt in jene Richtung, die Fahrerin/Fahrer bzw. Vorderräder vorgeben.

Auffällig ist das starke Rekuperieren, das zudem zur ausgezeichneten Bremsleistung mit beiträgt. Auch das Segeln (altmodisch Freilauf) sorgt dafür, dass sich die Nadel der Tankuhr einfach nicht nach unten bewegt. 3.000 U/min reichen um 140 km/h auf der Autobahn abzurufen, die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h konnte nach etwas Anlaufzeit leicht überboten werden.

Zum Spritverbrauch: Während behördlicherseits 4,9 Liter (Zulassungsschein) angeführt werden, lebt Suzuki Prospektwarheit und gibt 6,2 Liter auf 100 Kilometer an. Wir kamen auf 6,3 Liter. Trotz ausgefahrener Höchstgeschwindigkeit (dort wo erlaubt), Winterbereifung und Einsatz in mehr oder weniger unbefestigtem Gelände.

Den Stadtverkehr haben wir - trotz Parkhilfe - ausgespart, wir wollen ja nicht aus einer Gämse ein urbanes Hauskätzchen machen, das hätte sich der Vitara wirklich nicht verdient.

Obzwar: Gerade im Stadtverkehr würde der Elektromotor/-generator verstärkt nochmals das seine zur Spritverbrauchsenkung  mit beitragen. Und der Autor hätte womöglich beim einen oder anderen Flirt  seine höchstpersönliche Sprachsteuerung, im Vitara-Testfahrzeug natürlich Serie, zurückgewinnen können.
FRANZ WEICHINGER

TECHNISCHE DATENSuzuki Vitara 1,4 Hybrid Allgrip flashMotor: Vierzylinder-Turbo plus e-MotorAntrieb: Allrad/Sechsgang-SchalterHubraum: 1.393 ccmMax. Leistung: 95kW/129 PS/5.500 U/minMax. Drehmoment: 235 Nm/2.000 U/min e-Motor-Leistung: 10kWHöchstgeschwindigkeit: 193 km/hBeschleunigung: 0 bis 100 km/h in 10 sekBereifung: 215/55 R17 Nokian Winter Testverbrauch auf 100 km: 6,3 Liter SuperC02-Emission: 111 g/km (Zulassungsschein) Anhängelast: 1.200 kgTestwagen-Preis: € 29.590 inkl MwSt/NoVA

Das Vierrad-Antriebssystem mit Visco-Kupplung verteilt das Drehmoment automatisch auf jene Räder, die
den meisten Grip aufweisen