auto-motor-special 01/2019 • Seite 30
erstellt am 18.11.2018

Hundertzehn Jahre ist kein Alter

Seltenheitswert

Der Sportwagen Laurin & Klement vom Typ BSC feiert in diesem Jahr seinen 110. Geburtstag – und fand sich rechtzeitig zu diesem Jubiläum in der Ausstellung des Škoda Museums in Mladá Boleslav ein.

Salzburg (at). Das seltene Fahrzeug wurde in den vergangenen zwei Jahren aufwändig restauriert. Zuvor hatte ein Expertenteam anhand von Originalzeichnungen und anderen historischen Quellen den Auslieferungszustand rekonstruiert. Besonders bemerkenswert: Alle wichtigen mechanischen Komponenten des fahrbereiten Einzelstücks sind Originalteile, der Motor trägt die authentische Seriennummer, mit der der Sportwagen 1908 die Werkshallen in Mladá Boleslav verließ.

Andrea Frydlová, Leiterin des Škoda-Museums sagt: „Der sportlich konzipierte Laurin & Klement BSC aus dem Jahre 1908 ist das einzige erhaltene Exemplar von insgesamt zwölf hergestellten Fahrzeugen. Nach der umfassenden Überholung von Fahrwerk, Motor, Getriebe und weiteren Baugruppen sowie dem Einbau einer neuen Elektrik erhielt der Laurin & Klement BSC eine Karosserie, die exakt nach den historischen Quellen gefertigt wurde. Der 1.399 cm3 große Zweizylinder erwacht jetzt wieder zuverlässig nach nur wenigen Umdrehungen der Handkurbel zum Leben. Der Sportwagen zählt jetzt zu den wertvollsten Exponaten des Škoda-Museums in Mladá Boleslav.“

Der einzige bis heute erhaltene Laurin & Klement BSC, der jetzt im Škoda-Museum zu besichtigen ist, wurde am 12. Juli 1908 fertig gestellt. Die Motornummer 5635 bestätigt die Originalität des Fahrzeugs. Die rollende Rarität wechselte oftmals seine Besitzer und erfuhr zahlreiche Modifikationen. So wurde der L&K BSC für den Film „Dědeček automobil“ (Großvater Automobil) von Alfréd Radok, der am 27. März 1957 in die tschechoslowakischen Kinos kam, zum Rennwagen umgebaut. Später wurden die Form der Motorhaube und der Kotflügel sowie viele Details am BSC verändert – auch für weitere Filmauftritte. Alle wesentlichen mechanischen Teile jedoch blieben im Original erhalten und das über all die Jahre stets fahrbereite Fahrzeug zählte zu den Fixsternen der tschechoslowakischen Oldtimerszene.

Die Geschichte der BS-Modellfamilie

Nach dem Start der Fahrradproduktion Ende 1895 erweiterte das Unternehmen von Václav Laurin und Václav Klement das Angebot ab 1899 um Motorräder. Nur wenige Jahre später, ab Ende 1905, präsentierten die Unternehmer die Serienversion ihres ersten Automobils: die Laurin & Klement Voiturette A. In den folgenden zwei Jahren entwickelten die jungen Automobilbauer die Modellpalette weiter und setzten mehrere tief greifende konstruktive Änderungen um.

Die schnell steigende Nachfrage nach den modern konzipierten Fahrzeugen aus Mladá Boleslav mit ihrem schon damals sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis ließ die Produktionszahlen in die Höhe schnellen – von einigen Dutzend im Jahre 1906 bis auf fast 500 Automobile des Jahrgangs 1908.

Eine wichtige Position nahm in jenen Jahren die Modellreihe BS ein. Im Gegensatz zu den zunächst gebauten Modellen Voiturette Typ A, B und B2 mit Zweizylinder-V-Motoren besaß der BS einen Reihen-Zweizylinder mit 1.399 cm3 Hubraum und 10 PS/7,4 kW Leistung. Weil sich das aufstrebende Unternehmen bereits damals konsequent an den Bedürfnissen der Kunden orientierte, leitete Laurin & Klement von der BS-Familie spezifische Ausführungen für unterschiedliche Kundengruppen wie Ärzte oder Geschäftsleute ab.

Die Modellreihe umfasste mindestens sechs verschiedene Radstände von 1.905 bis 2.380 Millimeter und fünf Spurweiten von 1.120 bis 1.300 Millimeter. Auf dieser Basis bot der Hersteller zahlreiche Karosserie-Ausführungen an. Die Bandbreite reichte von Personen-Voiturettes – die französische Bezeichnung für Kleinwagen – über Taxis bis hin zu leichten Nutzfahrzeugen. Zwischen 1908 und 1909 entstanden so 66 L&K-Fahrzeuge der Baureihe BS.

Zu den wertvollsten Versionen zählen zwölf Fahrzeuge in der sportlichen Ausführung BSC. Deren Motorleistung wurde von den serienmäßigen 10 PS auf 12 PS/8,8 kW gesteigert. Der erste BSC rollte am 10. Juni 1908 aus den Werkshallen von Laurin & Klement, der letzte am 20. Oktober 1908.

Der sportliche Typ BSC wurde sowohl als fahrbereites Chassis angeboten als auch als Komplettfahrzeug mit Karosserie. Das Chassis, für das Kunden individuelle Karosserien nach ihrem Geschmack anfertigen lassen konnten, kostete 5.000 K – so die Abkürzung für Österreich-ungarische Kronen. Ein Komplettfahrzeug mit offener Zweisitzer-Standardkarosserie war bei L&K für 5.500 K erhältlich.