A U T O . T E S T • auto-motor-special 01/2020
erstellt am 27.11.2019

Höher gestellt lässt sich so mancher Ausflug mit dem A6 allroad quattro anfahren
Fotos: igm/Franz Weichinger

Test Audi A6 allroad quattro 50 TDI

Abstimmungsergebnis

Wer die Wahl hat, hat die Qual ...! Ganz so wörtlich nehmen wir diesen übertragenen Wortschatz generell nicht, dennoch waren wir vorwiegend in der dynamic-Stellung unterwegs.

STUBAITAL (at). Der Luftfederung des A6 allroad quattro ist es zu verdanken, dass wir mit einem höher gestellten oder tiefer gelegten Fahrzeug unterwegs sein durften. Mit der Offroad-Einstellung fuhren wir einmal Tiefschnee und stießen bald an Grenzen. Dafür ist der sportliche Lieferant nicht gebaut und es gibt wahrscheinlich diesbezüglich auch keine Kundenwünsche.

Wie aber sagte weiland bereits der Joschi Kirschner? Es sei gut, wenn man es hat, wenn man es braucht. Genau so ist es, da modeln wir gar nicht lang drum herum. Im Tiefflug vom aperen Autobahnabschnitt kommend, waren wir froh, taleinwärts ein paar Zentimeter an Höhe auffahren zu dürfen, um den avisierten Besuch im Berggasthof termingetreu anzusitzen. Am Stammtisch.

Banale Anbaggerungsversuche: "Wie geht er?", parierten wir diplomatisch professionell. Dann ging es ans Eingemachte, wir landeten schlussendlich beim kettengesteuerten Sechszylinder-Direkteinspritzer und reizten die Vorteile der Achtgang-Automatik im Vergleich zur siebengängigen aus - u.a. sind die Getriebe-Ölwechselintervalle deutlich länger.

Das Testfahrzeug war mit allem ausgestattet was gut, luxuriös und teuer ist - auch mit sämtlichen Assistenzsystemen, die derzeit zu haben sind. Wir gehen also auf halbautonomes Fahren nicht wirklich ein: Audi-Fahrer lassen sich nicht so gern vom Audi fahren, sie fahren lieber Audi.

audi pre sence: Den hinteren Querverkehrsassistent lernten wir allerdings gleich mehrfach schätzen: Segensreich nicht nur bei Föhn in Innsbruck, wo Verkehrsteilnehmer meinen sie seien alleine unterwegs, in eine Wolke aus Watte gehüllt. Trügerische Sicherheit, aber das Audi-Sicherheitssystem reagiert wesentlich schneller als der Routinier am Steuer - auch auf schemenhaft auftauchende Kamikazes,

audi drive select: Einstellungssache, die Entscheidung fällt zwischen komfort, efficience, auto, dynamic, individual und offroad

Der Audi A6 allroad ist durch und durch logisch eingerichtet, so lässt sich z.B. der Tempomat watscheneinfach (optisch) einstellen (grüner Pfeil an der Tachoskala). Die Scheibenwaschanlage ist ein Hammer, da wird nicht gekleckert, sie wirkt wirklich so wie der Name es verspricht. Klassisch schön im Gesamteindruck, laden zudem die ausladenden Kotflügelverbreiterungen zu einem genaueren Hinsehen ein. Fazit: alles bestens durchdacht und ausgeführt.

Ein bisschen Pedanterie erlauben wir uns doch: das (Multifunktions-)Lenkrad könnte im Durchmesser etwas kleiner sein. Und im Head up display hätten wir gerne den (Hoch-)Schaltpunkt gesehen.

Einstellungssache: die audi drive select-Modi schaffen keine Begehrlichkeiten mehr. Wir setzten auf dynamic, also auf ganz unten. Auf der Autobahn geht es ab 120 km/h automatisch nochmals 1,5 cm tiefer, angeblich der Windschlüpfrigkeit zuliebe. Dass durch diese Maßnahme aber auch die sogenannte "Straßenlage" quantensprungmäßig profitiert, davon sind wir überzeugt.

Auch im Geschwindkeitsbereich jenseits der 220 km/h fühlt sich der A6 allroad quattro samt Insassen sehr wohl, die V-max (Werksangabe: 250 km/h) konnten wir auf Grund des Verkehrsaufkommens (auf deutschen Autobahnen) leider nicht ausfahren. Teilweise segelten wir und hielten den Verbrauch in vertretbaren Grenzen - auch Mild Hybrid (48 Volt) sei Dank. Testverbrauch: 6,7 l/100 km, bei Einhaltung der innerösterreichischen Limits reichen fünfeinhalb Liter Dieselöl für 100 Kilometer Fahrstrecke.

Was schluckt er sonst? Abfahrtsrenn-Schi (2,30m) beispielsweise, aber auch die nochmals längeren Sprungschi des Juniors lassen sich im Innenraum unterbringen (Schidurchreiche ist bei Audi-Modellen so und so ein Muss), samt dazugehörigem Equipment.

Kommen wir zum Preis, und da müssen wir oben Angeführtes exakter zitieren: "Wer rechtzeitig drauf schaut, dass ers hat", ... bekommt einen respektablen Gegenwert.

Franz Weichinger

TECHNISCHE DATEN

Motor: Sechszylinder-TDI, Mild Hybrid, Ad Blue
Antrieb: Allradantrieb quattro, tiptronic
Hubraum: 2.967 ccm
Max. Leistung: 210 kW/286 PS ab 3.500 U/min
Max. Drehmoment: 620 Nm ab 2.250 U/min
Bereifung:245/45 R20 WXL Continental WC
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (el. abgeregelt)
Beschleunigung: 0 bis 100 km/h in  6,5 Sekunden
Testverbrauch auf 100 km: 6,7 Liter Dieselöl
Umweltschutz: C02-Emissionen: Euro 6d, 156-152 g/km
Testwagenpreis: Audi A6 allroad 50 TDI 115.209,11 Euro
(unverbindlicher Richtpreis, inkl. NoVa und MwSt)

Rennsportmäßig ausgefeilt: Fahrtwind-Zufuhr zur Kühlung der vorderen Bremsscheiben

Foto: ams/Franzesco Bolzano