L E S E N S . W E R T • auto-motor-special 05/2021
erstellt am 04.04.2021

Die Rechnung zahlen wir dann selbst

U-Kultur

Nein, nicht die Unkultur ist gemeint, sondern schlicht und ergreifend die Unternehmenskultur. Es gibt sie nicht mehr? Oh doch - unterste Schublade!

INNSBRUCK (tir). Einfachheitshalber rechnen wir alles Mögliche und Unmögliche zu den Unternehmen - die sie ja auch sind, im Sinne des Wortes. Firmen mit Firmen-Buchnummer, Bundes-, Länder- und Kommunal-Regierungen, Ämter und Behörden, Hotlines - zuordenbare und solche aus dem Callcenter. Wobei: bei Callcenter könnte mann (in diesem Falle der Autor) ja schon ein wenig ausschweifen, will es aber nicht wirklich.

Wir wollen hier ein paar uns zugetragene Begebenheiten aufwärmen und selbst Erlebtes. Es ist schon etliche Jahre her, da hat Fridolin H. zahlreiche Blindbewerbungen an die Chefitäten von Autohäusern im Großraum eines österreichischen Bundeslandes gerichtet. Eine Lehrstelle war sein Begehr. Antwort kam eine einzige, per Post: Eine Absage leider. Dennoch kam es zu einem persönlichen Gespräch mit dem Geschäftsführer. 

Es sei Unternehmenskultur seiner Firma, dass er Lehrplatzsuchenden persönlich antworte und bei Absage aufmunternde Sätze/Worte mitgebe, führte er aus. Warum das für uns von Interesse ist und eventuell für die Leserinnen und Leser sein könnte?

Das doch sehr renommierte Autohaus gibt es zwischenzeitlich nicht mehr. Wieder einmal ein Indiz, dass sich Menschlich- und Höflichkeit auf Dauer nicht rechnen.

Gut, dass es heute so etwas wie Unternehmenskultur eh nicht mehr gibt. Die Angestelltinnen und Angestellten verstecken sich hinter ihren Computern, als namenlose Nichts. Die Telefonanrufe, sollten diese an die gewünschte Abteilung durchkommen, werden einfach weggeklickt, emails beantworten ist längst obsolet. Sollte mann oder frau da einmal hartnäckig nachhaken, wird der SPAM-Ordner verantwortlich gemacht.

Zehn Minuten (das ist statistisch erhoben) in der Warteschleife sind gang und gäbe. Wer da nicht entnervt den Hörer schmeißt, dem darf gratuliert werden. Oder auch nicht, denn nach weiteren Minuten Wartezeit dürfte es auch dem leidenswertesten Menschen reichen.

Hinfahren und auf den Putz hauen, jetzt in Corona-Zeiten? An Ämter-Portalen beispielsweise ist Schluß mit lustig. Unter Umständen erhält man von einem Sicherheitswache-Beamten eine Telefon-Nummer, wo man "garantiert durchkommt". Dem ist - aus eigener Erfahrung - aber nicht so.

Ja, für was alles so eine Pandemie herhalten muss.
SATI RIKER