N A C H . L E S E • auto-motor-special 06/2020
erstellt am 01.04.2020

Corona-Lernphase

Matschgerer

Es hat gedauert, bis sich der Mund-/Nasenschutz bei uns durchgesetzt hat. Die Erstlinge der Aufsetzer wurden gemieden wie die Pest. Schlimmer noch: sie wurden ausgelacht!

INNSBRUCK (tir). Patrick Weber (Name von der Redaktion geändert), hat schon vor Jahresfrist Mundschutz getragen. Immer, wenn ihm danach war. Zum Beispiel in der Ordination seiner Lungen-Fachärztin, während der Wartezeit. Fazit: die Lungen-Fachärztin (Name und Anschrift der Redaktion bekannt) behandelte Herrn Weber als vermeintlichen Hypochonder mehr oder weniger von oben herab und therapiemäßig nicht mehr wirklich.

Die Strafe folgte auf dem Fuß, besagte Fachärztin wird seitens der Krankenkasse, pardon seitens der Gesundheitskasse, keinen Cent mehr für Weber-Behandlungen erhalten, der Vorsichtige hat sich einen neuen Lungenarzt gesucht und schlussendlich auch gefunden.

Und heute tragen wir alle Masken wie dereinst die Chinesen in ihren Smog-Städten - nichts gegen die Chinesen, sie dienen hier halt einfach als austauschbares Beispiel.

Wegen dem Smog müssen wir die Masken nicht tragen, der hat sich ja Gott sei Dank verflüchtigt, Corona sei Dank. So eine gute Luft hatten wir ja schon lange nicht mehr. Schade nur, dass diese meist mit sich alleine unterwegs war.

Wie können wir uns nun die Luftgüte erhalten, sollten wir der Viren Frau/Herr werden und unser Lasterleben wieder aufnehmen?

Es gab einen guten Ansatz, der auch von hochkarätigen Medien wie dem ZDF verbreitet wurde. Motoren, meines Erachtens nach: liebend gerne die der Laster, sollten die u. U. verschmutzte Luft inhalieren, die Schadstoffe möglichst zur Gänze verbrennen und gereinigte Luft, die ja von Natur aus eh ein Gasgemisch ist, abgeben.

Geneigte Leserin, schwer gebeutelter Leser, ich meine es ernst, oben angeführter Absatz hat nichts Satirisches an sich und ist nicht ironisch gemeint, auch der 1. April tut nichts zur Sache. Im Ernst: hier sollten die Techniker ansetzen und ihr Gehirnschmalz nicht nur als Notlauföl nutzen.

Denn sie verrennen sich lieber Richtung Konnektivität und wollen aus jedem fahrbaren Untersatz ein smartphone machen.

Wo leben wir denn? Und hier möchte ich einen Formel-1-Weltmeister aufs Podest heben, den Nico Rosberg, der gerne auf den "ganzen Scheiß" verzichtet. Das hat er zwar so nicht wörtlich gesagt. Aber er lebt danach, also sind wir schon zu zweit.

Nehmen wir uns an Nico ein Beispiel, aber auch an den Hubschraubern, die bei Skirennen den Nebel mit ihren Rotorflügeln vertreiben. Schmutzige Luft ansaugen, verdichten, verbrennen und sauber mit viel Hochdruck ausstoßen, sollte auch den vielen Ratracs anerzogen werden, die Hubschrauber könnten am Boden bleiben.

Dem Herrn Weber geht es, den Umständen entsprechend, gut: Trotz überlebter Lungenverletzung (Skiunfall), schnitzelgroßem Emphysem, COPD, Asthma und Frühblüher-Allergie (alles diagnstiziert, teilweise erst per Röhre gefunden) beträgt die Leistung seines Atmungsorgans altersgemäß achtzig Prozent. Dennoch gehört er mit seinen nunmehr 69 Lenzen zur "Risikogruppe". Deshalb spielt er auch weiterhin gerne den Matschgerer.
Sati Riker