auto-motor-special 10/2017 • Seite 02
erstellt am 16.08.2017

Im Innenraum gewachsen, etliche Kilo leichter und doch stabiler, das neue Audi A5 Cabrio ist genau so stimmig wie es das Foto aussagt.

ams-Fotos: ARGE motorpress

Fahrbericht Audi A5 Cabrio

Offene Beziehung

Pietro, Hafenwart in Riva, zeigte sich begeistert: "bella macchina". Man sah es ihm an, am liebsten wäre er sofort mitgefahren - aber Dienst bleibt Dienst. Vielleicht ein anderes Mal.

Riva/Malcesine. Das Auto, la macchina, ist - nicht nur laut Lingen - für italienische Männer das Wichtigste im Leben (neben den Frauen, versteht sich). Der Auftritt des manhattangrauen Flitzers, ausgerechnet zu ferragosto (14. bis 16. August), stahl den Bikinischönheiten jedoch die Show. Das neue Audi A5 Cabrio feierte ein gelungenes Debüt.

Auch im Testbetrieb wusste das viersitzige Cabrio aus Ingolstadt zu überzeugen. Verfeinert u.a. durch das S line Sportpaket (Aufpreis: 1.660,- Euro) wartete es u.a. mit Sportfahrwerk, Schaltwippen (Siebengang S tronic) und einer 245/40er-Bereifung (18 Zoll) auf.

Zig Fahrerassistenz- und Warnsysteme erleichtern die Bedienung und erhöhen die Sicherheit. Beispiele gefällig? Lautloses An- oder Vorbeischleichen im toten Winkel ist dem Hintermann nicht mehr möglich, eine entsprechende Gefahrenmeldung kommt umgehend über die orangefarbenen Leuchten in den Aussenspiegeln. Eindrucksvoll: mit Tempomat und Distanzregelung können Windschattenfahrten der legalen Art genossen werden.

Dies kommt auch dem Verbrauch zu Gute, und nun sind wir bereits bei den inneren Werten, und damit ist nicht der Fahrer gemeint, obwohl der schon auch das seinige zur Ökonomie/Ökologie beitragen kann.

Zeitgemäß: Common-Rail-Einspritzung, AdBlue, fünf Liter Dieselöl auf 100 Kilometer, EU6.

Bei der Fahrt vom Stubaital nach Rosenheim, natürlich IGL-schaumgebremst auf der Tiroler Autobahn, wurden gerade einmal 3,5 Liter Dieselöl auf 100 Kilometer verbrannt.

Bei der Retourfahrt auf derselben Strecke waren es 4,1 Liter auf 100 Kilometer. Da wurde auf der deutschen Autobahn schon richtig schnell gefahren, andererseits galt es wieder die Seehöhe von gut 1.000 Meter zu erklimmen.

Wir fassen zusammen: der Gesamttest-Durchschnittsverbrauch von 5,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer Fahrstrecke fiel zwar nicht ganz so gut wie die Werksangabe (komb.: 4,6l/100km) aus, Sparefrohs (efficience-Modus und möglichst kein Eingreifen des Fahres wie z.B. kickdown) werden den Werkswert jedoch unterbieten können. 

Mann/Frau muss den arbeitslosen Kupplungsfuß ja nicht zum Linksbremsen missbrauchen, dieser findet bequem auf einer ordentlichen Fußstütze Platz, ein bisschen Mitwippen im Takt sei ihm aber durchaus gestattet. Wie auch das Auskosten der 190 Turbo-PS, geschöpft aus 1.968 ccm Hubraum. Vorsicht: in 8,3 Sekunden ist die 100er-Schallmauer erreicht.

V-max? Bitte, gerne: 235 km/h (geschlossen). Mit offenem Verdeck sind 150 km/h immer noch ein Genuss und kein Grund, den Figaro frühzeitig aufzusuchen. Kurvengeschwindigkeiten jenseits von gut und böse sind fahrbar, die Beifahrer(Innen)auswahl sollte deshalb sorgfältig getroffen werden. Der Fronttriebler verhält sich, wie nicht anders zu erwarten, im Grenzbereich neutral, über Lenkung und Breitreifen werden Fahrbahnzustand und Querbeschleunigung direkt und kompromisslos übermittelt.

Was wir damit sagen wollen: Reine Cruiser sollten durchaus die Basisversion (€ 50.190,–, inkl aller Abgaben) mit der 225/50 R 17-Bereifung in ihre Kaufüberlegung miteinbeziehen. Aber Audi macht den Kundinnen und Kunden die Wahl mit einer Vielzahl an Optionen nicht gerade leicht.

Sei, wie es sei: Der/die urtypische Audi-FahrerIn wird sich die S line-Pakete (Sport und/oder Exterieur) kaum ausreden lassen und um weitere Goodies wohl nicht herumkommen wollen.

Hier gilt es doch anzumerken, dass die österreichischen Audi-Basis-Fahrzeuge eh schon sehr gut ausgestattet und dass die Preise der einzelnen oder zusammen georderten Pakete durchaus als recht günstig einzustufen sind (siehe oben). 

Fahraktiv ist kein Schlagwort und da muss noch nicht einmal der Dynamik-Modus aktiviert sein ...

Cabrio! Das Stoffverdeck fährt keinen einzigen Kritikpunkt ein, die Dämmung lässt kaum Geräusche durch, Temperatur und Starkregen werden ausgezeichnet gemildert, Zugelötete dürften diesbezüglich das Nachsehen haben.

Übrigens: das Verdeck lässt sich in 15 Sekunden vollautomatisch öffnen (das Schließen benötigt drei Sekunden mehr) - auch während der Fahrt bis 50 km/h.

 

Wir genießen abschließend die heimische Landstraße: der Duft nach frischem Heu, das Rauschen des Wildbaches und das Schellen der Kuhglocken begleiten uns.

Ciao, Pietro!

Franzesco Bolzano