auto-motor-special 09/2017 • Seite 29
erstellt am 25.07.2017


Alexander und Florian Deopito auf ihrer Siegesfahrt

Foto: Robert A. Thiem

Rennlegenden gratulierten zum Jubiläum und dem Überraschungssieger

25 Jahre Ennstal-Classic

Viel Prominenz bei der bedeutendsten Oldtimer-Rallye Österreichs, die größten Rennsportwagen aller Zeiten und ein total überraschter Gesamtsieger: Die Ennstal-Classic hat in ihrer 25. Auflage bewiesen, noch immer eine der spannendsten Veranstaltungen ihrer Art zu sein.

Sie steht für große Emotionen, viel Herz, interessanten und herausfordernden Motorsport und dafür, immer für die eine oder andere Überraschung gut zu sein, auch was die Streckenführung betrifft. „Ich wundere mich immer wieder“, brachte es der zweifache Le Mans-Sieger Hans-Joachim Stuck auf den Nenner, „wie die Veranstalter nach so vielen Jahren immer noch neue Strecke finden können. In diesen Almenlandschaften lenkst du dich bei einer Kurve nach der anderen zu Tode. Aber es ist extrem cool!“ Und nicht nur er zeigte sich bei der Jubiläums-Ennstal begeistert. Ob Hollywood-Star Patrick Dempsey, Sportwagenweltmeister Mark Webber, zweifacher Rallye-Weltmeister Walter Röhrl oder der fünffache Le Mans-Sieger Derek Bell. Alle fühlten sich tatsächlich wieder „wie im letzten Paradies“.

Nicht nur der Veranstalter, auch Hauptsponsor Porsche hatte sich für die 25. Auflage der Ennstal-Classic viel vorgenommen. Allein die beiden Porsche 550 Spyder aus den frühen 1950er Jahren - einen pilotierte Mark Webber - brachten die Zuschauer zum Staunen. Kein Wunder, wurde der Porsche 550 Spyder doch zum Mythos, als James Dean auf der Fahrt zu einem Rennen damit tödlich verunglückte und der Spyder zum James Dean-Porsche avancierte. Neben dem Porsche Museum brachten viele private Teilnehmer faszinierende Porsche Oldtimer-Preziosen an den Start und komplettierten die Porsche-Palette rarer Rennsportfahrzeuge der ersten dreißig Nachkriegsjahre aus Zuffenhausen.

Weitere teilnehmende Fahrzeuge dieser Zeit, die es zum Mythos schafften, waren ein Jaguar C-Typ aus dem Jahre 1952, ein Aston Martin DB 3S, Baujahr 1953 und einer von jenen legendären Jaguar D-Typen, die Mitte der 1950er drei Mal die 24 Stunden von Le Mans gewannen. So waren auch bei der Jubiläums-Ennstal wieder die größten Rennsportwagen aller Zeitenvertreten.

Einer der absoluten Besonderheiten der Ennstal-Classic ist die Region mit ihren unvergleichlichen Naturschönheiten. Strecken, die über atemberaubende Pässe und ländliches Almenidyll führen oder am Ende der Red Bull Ring eine aktuell Formel 1- Rennstrecke. Ob über den Sölkpass oder der Nockalmstraße, auf den Stoderzinken oder dem Pyrnpass. Ob in Steyr oder in Lunz am See, auf den Kehren nach Admont in die Kaiserau oder auf dem Flugplatz Niederöblarn. Immer wurden den Fahrern sich verändernde Naturlandschaften oder von Menschenhand angelegte Hotspots angeboten.

„Was kann es Schöneres geben, als durch dieses Paradies zu fahren“, so einer der Teilnehmer am Ende des ersten Tages. Mit einem kleinen Wermutstropfen: Hatte doch die Kärntner Polizei zum Bedauern der Ennstal-Teilnehmer auf der Nockalmstraße mit einer mobilen Radarkontrolle zur ungewollten Nachbarschafts- und Amtshilfe ihrer steirischen Kollegen beigetragen.

Es ist anzunehmen, dass bei der ersten Ennstal-Classic im Jahre 1993 noch keine Radarfallen aufgestellt wurden. Wohl auch, weil zu dieser Zeit die Ennstal-Classic mit ihren 35 Teilnehmern keiner kannte. Und doch: Überliefert ist, dass die Idee zur Ennstal-Classic bei Michael Glöckner und Helmut Zwickel im September 1992 in den Ardennen nahe der deutschbelgischen Grenze, unweit der Grand Prix-Rennstrecke von Spa-Francorchamps entwickelt wurde.

Einer Region, in der es nicht überraschend ist, wenn es im Herbst einmal schneit. Rau, kärglich, unter Umständen extrem unwirtlich. Kurzum eine Region, in der man gerne und schnell bereit ist, sich an das wunderbare Ennstal in der Steiermark zurück zu erinnern. Noch heute muss man als Freund der Ennstal-Classic dankbar sein, dass Michael Glöckner und Helmut Zwickel – total frustriert über die Entwicklung der damaligen Formel 1 – die Ennstal- Classic aus der Taufe hoben.

Eigentlich zusammen mit Walter Röhrl, der als damaliger „Promi“ zur Teilnahme verpflichtet werden konnte und prompt auch die erste Auflage zusammen mit seiner Frau gewann. Neben ihm standen weitere, aus heutiger Sicht illustre Teilnehmer, wie Karl Wendlinger, Dieter Quester, ein gewisser Dietrich Mateschitz oder Österreichs erfolgreichster Rallye-Pilot Franz Wittmann. Und heute, 25 Jahre später, hat die ursprüngliche Idee, für die Zuschauer „Motorsport zum Angreifen“ zu bieten, nicht an Strahlkraft verloren. Dafür sorgen schon die beiden Gründer der Ennstal-Classic. Sie stehen dafür, dass der Event seine Bodenständigkeit nicht verliert. Selbst in einer Zeit, in der die Versuchung zum Hype größer denn je geworden ist.

Überraschungssieger
Dass die Ennstal-Classic nach 25 Jahren lebendiger ist denn je, hat der Sieger 2017 bewiesen: Alexander und Florian Deopito schafften bei der großen Jubiläumsausgabe der Ennstal-Classic die Sensation schlechthin. Denn als erstes Team in der 25-jährigen Erfolgsgeschichte gewannen sie in einem spannenden Finale mit einem Vorkriegswagen! Mit ihrem Lagonda LG 6 Le Mans Special aus dem Jahr 1938 lagen sie von Beginn an an der Spitze der Wertung. „Gejagt“ von zahlreichen Startern mit weitaus jüngeren Autos und konnten sich am Ende den Sieg mit nur 45 Punkten Vorsprung sichern. Ihnen war der Glückwunsch aller, insbesondere der Rennfahrerlegenden, zum Sieg genauso sicher, wie dem Ennstal-Team zum 25. Geburtstag.

Robert A. Thiem