Subaru Levorg 1.6 GT-S • Seite 04
erstellt am 18.04.2018

Witterungsbedingungen setzen dem Subaru Levorg kaum zu, nur Komplett-Straßensperren könn(t)en ein Vorwärtskommen verhindernFotos: IGM/Bolzano

Test Subaru Levorg 1.6 GT-S Exclusive

Le "Vorg"

Zugegeben, Levorg ist ein Kunstname, dessen Zusammensetzung wir jetzt nicht aufwärmen wollen. In den Adelsstand heben wir den Subaru-Sproß dennoch, und dies nicht allein wegen der Abstammung.

Mieders/Stubaital. Kein gutes Wetter habts euch ausgesucht, so Lisa Winkler bei der Abholung des Sport Tourer. Gerade recht, so der Tester, je schlechter, desto besser: Subaruwetter, dem Test einmal schon vorweg genommen.

Wir nehmen Platz hinter dem tollen, unten abgeflachten, Multifunktionslenkrad aus Leder und drücken den Startknopf. Sintflut bei der Fahrt über den Achensee nach Bad Tölz. Abwechselnd Starkregen oder Schneefall, Schneefahrbahn, Nebel und orkanartiger Wind. So manchem - auf der Straße liegendem - Ast musste ausgewichen werden.

Aber nicht nur jenen, es kam zu einer nicht alltäglichen Bewährungsprobe: der sehr kurzsichtige Fahrer (mit Schirmmütze) eines schneeweißen SUV nahm uns abrupt die Vorfahrt. Schlagbremsung, bestens assistiert von den Subaru-Notsystemen und dem kurzimpulsigem ABS verhinderten den ansonsten wohl unvermeidlichen Zusammenprall.

Exkursion: Das von Subaru selbst entwickelte Fahrerassistenzsystem „EyeSight“ identifiziert Pkw, Lkw und  Busse,  Rad-  und  Motorradfahrer,  Fußgänger  sowie Fahrbahnmarkierungen.  Es unterstützt  den  aufmerksamen Fahrer mit Assistenzfunktionen, die  das  Autofahren sicherer machen. Notbremssystem  mit  Kollisionswarner, Querverkehrsassistent, adaptive  Abstands- und Geschwindigkeitsregelung, Spurhalteassistent mit Lenkunterstützung bilden die Hauptfunktionen.

Die  Serienausstattung  des  Levorg 1,6 GT-S läßt so und so keine Wünsche mehr offen. Der permanente  Allradantrieb  Symmetrical  AWD, die  stufenlose  Automatik  Lineartronic, die Stop & Go-Startautomatik, Auto Vehicle Hold (abschaltbar), die Sprachsteuerung - einzeln aufgezählte Highlights. Inklusive Ledersitze und Navigationssystem im  Exclusive (Testwagen).

Wobei es uns eigentlich nicht so um Sprachsteuerung oder ähnliche Gimnicks geht, die ausschaltbare Fahrzeugdynamikregelung, das Stabilitätsprogramm  VDC (Vehicle  Dynamics  Control - es rechnet zugunsten der Stabilität und Traktion Lenkradeinschlag,  Schräglaufwinkel und Querbeschleunigung ein), interessiert uns viel mehr.

In der Praxis: Der Levorg liegt auf der Straße wie ein Brett, spätes Einlenken (elektronische Servo) in die Kurven zeigt das ausgewogene Fahrverhalten eindrucksvoll auf. Spielerisch leicht (und narrensicher) lässt sich der allradangetriebene Japaner neutral durch Biegungen jeglicher Art driven/treiben, auch in Extremsituationen. Das sportlich ausgelegte Fahrwerk zeigt in scharf gefahrenen Abschnitten erst das wahre Potential auf.

Es ist auch an ein Überholen an unmöglichen Stellen zu denken, es ist problemlos durchführbar, ohne sich oder andere zu gefährden. Den Superantritt erlaubt das Drehmoment (250 Nm bereits  ab 1.800 U/min). Die Schaltwippen (sieben Stufen, im Automatikbetrieb stufenlose Untersetzung, kettengetrieben), die schärfere Motorkennung  (S-Modus) und ein gutes Auge des Fahrers tun ihr Übriges. Da wird so mancher Sportwagen ganz einfach stehen gelassen.

Bereits bei 4.800 U/min steht die PS-Höchstleistung an. Ein Ausdrehen des Motors ist daher nicht unbeding nötig, auch manuell geschaltet geht es ansatzlos (gummibandartig) in einem Zug durch bis zur Höchstgeschwindigkeit, ohne groß zu krawallen.

Es lebe der Boxermotor

Der 1,6-Liter-Turbo-Direkteinspritzer leistet nominell zwar nur 170 PS, die ausgefeilte Motorentechnik und das geringe Gewicht sorgen dennoch für sehr gute Fahrleistungen. Die Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h läßt sich eh nur mehr selten ausfahren, die Sprintstärke (8,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h) erlaubt Fluchten - Drängler haben keine Chance.

Zum Abschluss gönnten wir uns eine Hatz auf der Bundesstraße (im erlaubten Rahmen), die dem Testfahrzeug gut ansteht, denn den Patenonkel Subaru WRX STI (sechsfacher Rallye-Weltmeister) kann er nicht verleugnen. Vorsicht: das Räubern geht in Fleisch und Blut über, es macht am meisten Spaß, dafür gäbe es aber z.B. den Wachauring ...

Der  Express-Zuschlag bei Extrem-Einsatz hält sich in Grenzen: 9,4 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer, trotz Vollgasabschnitten auf der deutschen Autobahn (hier sticht der Levorg zudem optisch aus dem Einheitsbrei besonders stark heraus).

Wir haben dann den Durchschnittsverbrauch (trotz Winterreifen und Winterbedingungen) kurzfristig auch auf die Werksangabe von 7,2 Liter drücken können. Betont sparsames Fahren bringt allerdings nicht wirklich viel, flottes Fahren fördert den Fahrspaß und geht sich durchaus mit 8,2 Liter auf 100 Kilometer aus. Der Vollständigkeit halber führen wir auch die Abgaswerte an: 164 g C02/Kilometer, laut Werk.

Für "brave" Familienoberhäupter: Ja, fünf vollwertige Sitzplätze, vorne Sportsitze, und der Kofferraum reicht mindestens für das Gepäck für die Skiwoche mit der Gesamtfamilie plus der Hundebox inklusive Rocky.

Das aber macht ihn einzigartig: Der Levorg (so wie auch die übrigen Subaru-Modelle) verfügt über den permanenten Allradantrieb Symmetrical AWD. Dieser sorgt gemeinsam mit dem tief liegendem Boxermotor für eine perfekte Gewichtsverteilung und  somit für ein besonders viel Spaß machendes Fahrvergnügen - wie oben angerissent: Adel verpflichtet!

Testfahrzeug Subaru Levorg 1.6 GT-S Exclusive: Unverbindlich empfohlener Verkaufspreis inkl. NoVA und MwSt: 38.990,- Euro. Sonderfarbe: Lapis Blue Pearl: 490,- Euro.

Franzesco Bolzano


Seat Ibiza Xcellence 12/2017 • Seite 04
erstellt am 29.03.2018

Test Seat Ibiza Xcellence 1.0 EcoTSI Start-Stopp

Mamas Liebling

Bei einem ersten Kurztest wusste der neue Seat Ibiza Xcellence zu beeindrucken (auto-motor-special 5/2017). Vor allem die technischen Möglichkeiten des feurigen Spaniers verblüfften: Premium-Konzern-Geschwister ticken nicht viel anders.

Mieders/Stubaital. Teilautonomes Fahren ist mit dem Ibiza (Testversion) durchaus möglich. Die Füße bleiben aus dem Spiel, können sich ausrasten, es ist weder Gasgeben noch Bremsen notwendig, wenn Tempomat und Distanzregler zusammenarbeiten. Der Tempomat hält die gewählten 100 km/h konstant, der Abstand zum Vorderfahrzeug wird - wie gewünscht - manuell (dreistufig) eingestellt.

So kann beispielsweise dann ganz Tirol auf der Autobahn nur mit Fingerspitzenarbeit problemlos durchfahren werden. Lenken muss man (Gott sei Dank!) allerdings schon noch selber, es ist aber ein neues Fahrgefühl, das sich da eröffnet.

Bremst das voraus fahrende Fahrzeug den Ibiza zu stark ein, genügt es den Blinker einzuschalten und auf die Überholspur zu wechseln, das System sucht sich dann einen anderen günstigeren  "Windschatten"-Spender. Übrigens: auch schwerhörige Verkehrsteilnehmer werden im Ibiza das Blinkerausschalten wohl nicht mehr vergessen, unübersehbar blinkt das orange Licht im Aussenspiegel.

Sportlich dier Innenraum, die Armaturentafel und dasTouchscreen-Mediasystem ziehen die Blicke auf sich. Ein tolles Sportlenkrad, die Tachoanzeige reicht bis 240 km/h. Jede Menge hochkarätige Technik ist mit an Bord: diverse Assistenzprogramme wie z.B. City-Notbrems-Funktion, Start-Stopp-Automatik, Berganfahr-Assistent, Müdigkeitserkennung. Die (sinnvollen) Anweisungen per Display springen sofort ins Auge, da zwischen Tourenzähler und Tachometer platziert., wir erhielten mehrfach Ecotipps - durchaus verständlich.

Ebenfalls gut fürs Portemonnaie: Geschwindigkeitslimits können selbst eingegeben werden, einmal für das Fahrtempo, einmal für die Winterreifen. Der Gong ertönt und frau/mann wissen, wieviel es geschlagen hat.

Weil es so schön ist: unser bevorzugtes Fahrprogramm war die Sporteinstellung (Fahrprofile Eco, Normal, Sport, Individual: Aufpreis 130,- Euro inkl. 20% MwSt.). Der 95-PS-Turbo-Direkteinspritzer-Benziner zieht bereits aus niedrigen Drehzahlen heraus kräftig an, man muss ihn nicht ausdrehen. Erstaunlich wie ausgewogen der Dreizylinder werkelt - akustisch kaum vernehmbar, gönnt er sich zudem recht wenig: 5,2 Liter Super auf 100 Kilometer im Testbetrieb.

Fotos: igm/Bolzano

Dichter Schneefall auf der Brenner-Bundesstraße  Richtung Stubai, Neuschneefahrbahn, kaum mehr ein Durchkommen. Der frontangetriebene Ibiza meistert die Gegebenheiten mustergültig. Bei schwierigsten Bedingungen spielt der gut erzogene Spanier seine Klasse aus, auch auf regennasser Fahrbahn - teilweise strömendem Regen -, bei Dunkelheit. Und hier möchten wir ganz speziell das Scheinwerferlicht des Testfahrzeuges (Voll-LED, Aufpreis: 660,- Eur inkl 20% MwSt.) hervorheben, wir vergeben die Bestnote für gute Sicht. 

Das Fahrverhalten ist kindersicher: Anfänglich über die Vorderachse schiebend, wird im Grenzbereich das Heck leicht, mittels der elektronischen Stabilitätskontrolle aber sofort eingefangen. Kopfsteinpflaster oder sonstige Straßen-Unebenheiten werden großzügig weggefiltert, die erreichbare Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 180 km/h, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h fühlt sich subjektiv wesentlich besser an als der Werkswert (10,9 sek) vermuten lässt.

Überraschender Weise wirken an der Hinterachse Trommelbremsen, was der Leistung jedoch keinen Abbruch tut: Die Bremsanlage ist dem Gewicht des Ibiza und den 95 Pferden leicht gewachsen, von Fading - auch nach Passabfahrten - keine Spur.

Wir haben hochgerechnet: der Kaufpreis für die Seat Ibiza-Testversion mit den Mehrausstattungen dürfte bei rund  20.000,- Euro inkl. aller Abgaben liegen. Missen möchten wir wohl kaum etwas, was uns Seat da zur Verfügung gestellt hat. Besonders empfehlen können wir aber das Österreich-Paket, zumal es zum Preis von 990,- Euro inkl. 20% MwSt. auch die bereits als besonders lobenswert hervorgehobenen Voll-LED-Scheinwerfer inkludiert.

Listenpreis Seat Ibiza Xcellence 1.0 EcoTSI Start-/Stopp: 17.590,- Euro, inkl. aller Abgaben.

Franzesco Bolzano